19Nov2019

Dr. Jens Enneper zur ACP-Therapie

19.11.2019 Experteninterview

Interview mit Dr. Jens Enneper zur ACP-Therapie

Bei der ACP-Therapie kommt aufbereitetes, patienteneigenes Blut zur Anwendung. Das autologe konditionierte Plasma (ACP) wird von Orthopäden und Sportmedizinern vor allem zur Behandlung von Arthrosen, degenerativen Sehnenverletzungen und Gelenkentzündungen, sowie akuten Sportverletzungen eingesetzt. Seit 2011 kann ACP auch im Profisport zum Einsatz kommen, nachdem es von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) von der Dopingliste gestrichen wurde. Die Behandlung erfolgt ambulant in der Arztpraxis. Dabei wird das konditionierte Plasma individuell für jeden Patienten hergestellt. Der Orthopäde und Sportarzt Dr. Jens Enneper aus Köln setzt die ACP-Therapie seit vielen Jahren erfolgreich ein.

Herr Dr. Enneper berichtet hier über seine Erfahrungen mit der ACP-Therapie.

 

Herr Dr. Enneper, für die Behandlung welcher Beschwerden ist die ACP-Therapie geeignet?

Enneper: Im Grunde ist die ACP-Therapie für alle Gelenkbeschwerden und Sehnen- und Muskelverletzungen geeignet. Dabei stehen verschiedene Erkrankungen im Mittelpunkt. Außerordentlich gut funktioniert die Behandlung bei Gelenkbeschwerden durch Verschleiß, also Arthrose im Knie-, Hüft- oder Sprunggelenk sowie an der Wirbelsäule. Auch bei akuten Entzündungsereignissen, beispielsweise der schmerzhaften Kalkschulter, ist sie gut anzuwenden. Sehr gut wirkt die Therapie auch bei Sehnenverletzungen, zum Beispiel im Bereich der Achillessehne oder beim Tennisellenbogen. Zudem kann man akute Muskelverletzungen bei Sportlern erfolgreich mit ACP behandeln.

Wie funktioniert die ACP-Therapie genau?

Enneper: Die ACP-Therapie funktioniert im Prinzip so, dass wir uns die körpereigene Regenerationsfähigkeit zu Nutze machen. Denn alles, was bei uns im Körper defekt ist, versucht der Körper immer auch selbst zu reparieren. Das funktioniert über unser Immunsystem, was sehr komplex angelegt ist. Denken wir zum Beispiel an eine Schnittwunde, hier funktioniert die Heilung auch in mehreren Schritten. Genau dieses komplexe Prinzip können wir uns an vielen Stellen des Körpers zu Nutze machen. Letztendlich geht es um die Aktivierung und Steuerung des lokalen Immunsystems. Und das haben wir überall, auch in den Gelenken. In den Schleimhautzellen dort befinden sich beispielsweise auch solche Steuerungselemente, die die Regeneration am Knorpel verbessern. Mit ACP greifen wir also in ein bestehendes biologisch-komplexes System ein und unterstützen den natürlichen Heilungsprozess des Körpers.

Bei der ACP-Therapie wird aus unserem Blut in einem speziellen Verfahren Blutplasma gewonnen. In diesem Plasma sind sogenannte Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, in einer sehr hohen Konzentration enthalten. Direkt am Ort der Verletzung setzen sie Wachstumsfaktoren frei, die den Wiederaufbau des verletzten Gewebes, also die Regeneration verletzter Zellen, starten. Gleichzeitig wird der Entzündungsprozess im Gewebe, der für die Schwellung und Überwärmung verantwortlich ist, sozusagen moderiert. Das heißt, die Entzündungszeichen gehen zurück. Konkret bedeutet das für Patienten, dass Gelenke wieder weniger schmerzhaft und besser beweglich sind.

Warum bietet sich eine ACP-Behandlung gerade für Menschen mit Arthrose an?

Enneper: Arthrose ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Gelenk eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung hat. Das heißt, Betroffene können es nicht mehr gut bewegen und der Körper versucht, das Gelenk zu versteifen. Grundsätzlich funktioniert die ACP-Therapie bei jedem Arthrosegrad gleich: die Entzündung geht runter, Beweglichkeit, Koordination und Aktivität werden verbessert, dadurch erhöht sich die Muskelkraft – und genau das ermöglicht ein beschwerdefreies und schmerzreduziertes Leben. Das bedeutet eine bessere Lebensqualität für Patienten.

Bei der Früharthrose können wir mit ACP dafür sorgen, dass die noch vorhandenen Knorpelzellen sich wieder mit Flüssigkeit füllen und damit belastbarer werden. Die Patienten sind wieder in der Lage Sport zu treiben oder den Alltag schmerzfreier zu gestalten. Bestenfalls besteht über Jahre eine signifikante Schmerzfreiheit.

In späteren Stadien der Arthrose, wenn keine oder deutlich weniger Knorpelzellen vorhanden sind, arbeitet die Gelenkschleimhaut aktiv daran, das Gelenk zu versteifen und genau das verursacht die typischen Arthrosebeschwerden wie Anlauf- und Belastungsschmerz und später Ruhe- und Nachtschmerz. Auch hier können wir mit der ACP-Therapie entgegenwirken und auch Patienten auf eine notwendige Operation (zum Beispiel Gelenkersatz) vorbereiten. Wir setzen ACP quasi als „Prehabilitation“ bei bevorstehenden Operationen ein, indem wir schon vor dem Eingriff eine bessere Beweglichkeit und Koordination herstellen und dem Patienten ermöglichen, aktiven Muskelaufbau zu betreiben. Damit machen wir ihn fit für die Operation und die Zeit danach, sprich das Reha-Training, das natürlich auch viel effektiver ist, wenn bereits vor der Operation schon bessere Muskeln vorhanden sind.

Tennisellenbogen, Golferarm oder Fersensporn sind häufige Erkrankungen aufgrund starker oder falscher Belastungen beim Sport. Warum ist die ACP-Therapie bei diesen Krankheiten besonders zu empfehlen?

Enneper: Bei diesen chronischen Sehnenerkrankungen wurde die Sehne oft jahrelang überbelastet und das führt zu einer krankhaften Verdickung oder Teilrissen der Sehnen. Sehnen sind grundsätzlich zwar in der Lage, sich selbst zu regenerieren, aber sie sind sehr schlecht durchblutet und gehören damit in die Gruppe der schlecht heilenden Gewebe. Genau hier können wir eingreifen: Schlecht heilende Gewebe können wir mit der ACP-Behandlung in der Regeneration unterstützen. Dabei wird das schlecht heilende Gewebe durch die Wachstumsfaktoren im ACP sehr positiv beeinflusst.

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der ACP-Therapie für die Patienten – im Vergleich zu anderen Behandlungsformen oder Medikamenten?

Enneper: Wir haben bei uns in der Praxis bereits rund acht- bis neuntausend Patienten mit ACP behandelt. Ein großer Vorteil für Patienten und Ärzte ist, dass die Behandlung weitgehend ohne Nebenwirkungen ist. Darüber hinaus lernen wir zunehmend auch bei uns in der Praxis, dass wir bei vielen Erkrankungen des Bewegungsapparates, die wir bisher operiert hätten, Eingriffe vermeiden können. Wir benutzen sozusagen das eigenständige Regenerationssystem des Patienten, das heißt, er hilft sich im Grunde selber. Mit ACP helfen wir nur ein bisschen nach, letztendlich unterstützen wir die eigene biologische Heilung. Die ACP-Wirkung ist immer wieder beeindruckend!

Wenn wir beispielsweise Schmerztabletten geben, bremsen wir oftmals genau diese Heilung. Das Medikament reduziert zwar Schmerzen, Schwellungen, Überwärmung, die ja dem Patienten die Probleme bereiten – aber damit werden eben auch die erwünschten biologischen Vorgänge im Körper gebremst. Zudem haben wir bei diesen meist starken Medikamenten Nebenwirkungen zu erwarten und Organe werden belastet. Mit ACP haben wir das alles nicht, denn diese Methode ist rein biologisch wirksam und bei richtiger Anwendung sehr nebenwirkungsarm.

Wie aufwändig ist die ACP-Therapie für Patienten und wie oft muss die Behandlung durchgeführt werden?

Enneper: Die ACP-Behandlung ist für Patienten ein geringer Aufwand. Der Patient kommt in die Praxis, es wird Blut abgenommen und aufbereitet, parallel wird er sorgfältig untersucht und vorbereitet, also die Haut steril abgewaschen und das Gelenk steril abgedeckt. Dann erfolgt die Spritze in das betroffene Gelenk. Nach der Behandlung bleibt der Patient noch ein paar Minuten in der Praxis, anschließend kann er direkt nach Hause gehen. Das Ganze dauert bei uns in der Praxis circa 30 Minuten.

Das einzige, was der Patient danach beachten sollte, ist dass er rund 30 Stunden nach der Behandlung keinen Sport machen soll. Wir haben mitunter spezielle Sportler als Patienten, die kommen dann zum Beispiel aus Koblenz mit dem Fahrrad zu uns nach Köln in die Praxis geradelt, um vor der Behandlung noch eine Trainingseinheit zu haben, lassen sich eine ACP-Spritze geben, und fahren dann mit dem Zug zurück.

Die Behandlung wiederholen wir ungefähr fünf bis sechs Mal im Abstand von jeweils einer Woche. Die Hauptwirkung tritt je nach Körperregion meist sechs Wochen nach der letzten Behandlung ein.

Was berichten Ihnen Patienten zum Therapieverlauf bzw. zum Erfolg der Therapie?

Enneper: Die Erfolge der ACP-Therapie sind in der Regel sehr nachhaltig. Wir haben das bei uns in der Praxis schon am Beispiel „Kniegelenk“ im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Schmerzreduktion und damit verbundene Funktionsverbesserungen hoch signifikant sind. Darüber hinaus haben wir auch sehr viele Einzelpatienten, die also nicht in unseren Studien erfasst sind, mit sehr guten Erfolgen. Oft hatten Patienten zum Beispiel Probleme am Knie, wurden mit ACP behandelt und kommen dann nach Jahren wieder mit einem anderen Problem. Das Knie ist komplett schmerzfrei, und wir behandeln dann etwa die Schulter.

Also zusammengefasst: Wir sehen bei den meisten Patienten eine deutliche Verbesserung nach der ACP-Behandlung. Bei manchen Patienten bleiben zwar Restbeschwerden, wobei sie uns dann berichten, dass sie gut damit leben können. Natürlich gibt es auch eine kleine Gruppe, vielleicht circa 20 - 25 Prozent, bei denen ACP nicht gut oder nur bedingt funktioniert. Dafür gibt es verschiedene Gründe, wie falsche Ernährung oder andere Erkrankungen. Aber auch bei diesen eher schwierigen Patienten erreichen wir mit ACP meist zumindest eine kleine Verbesserung der Beschwerden.

Sie behandeln auch Profisportler mit ACP in Ihrer Praxis. Warum ist der Einsatz von ACP gerade bei diesen Hochleistungssportlern sinnvoll?

Enneper: Wir behandeln sehr viele Sportler mit ACP, sowohl Hobby- und ambitionierte Freizeitsportler als auch viele richtige Profisportler. Einige Top-Athleten aus Deutschland und der ganzen Welt, zum Beispiel aus Australien, Amerika und China, lassen sich bei uns behandeln. Die Gesundheitssportler versuchen einfach ihren Körper zu trimmen, damit sie gesund durchs Leben kommen. Profisportler haben einen etwas anderen Blick auf ihr Leben, der Sport ist ihr Beruf, sie verdienen damit Geld, streben nach Erfolgen, wie Medaillen und Rekorden. Gleichzeitig wissen sie, dass die Zeit dafür begrenzt ist. Viele haben die Einstellung: „Okay, part of the deal ist halt, dass ich immer mal ein paar Beschwerden habe, aber bitte möglichst wenige, damit ich mein Training und die Wettkämpfe gut machen kann“.

Ärzte und Trainer stehen in der Verantwortung, diese Sportler gut zu betreuen und zu begleiten. Ich persönlich finde, dass gerade auch Hochleistungssportler es verdienen, dass man als Arzt möglichst heilend, also regenerativ und nachhaltig behandelt – und nicht nur kurzfristig Symptome lindert. Wenn also beispielsweise ein Profifußballer Gelenkverschleiß hat, kann man ACP genauso wunderbar anwenden wie bei den Nicht-Sportlern, um damit die Karriere wieder positiv zu beeinflussen. Oder auch bei schlecht heilenden Knochenverletzungen, wie bei Manuel Neuer. Der wurde auch mit ACP behandelt und es hat super funktioniert. Natürlich kommen noch weitere unterstützende Maßnahmen dazu und letztendlich muss der Körper das selber hinkriegen.

Zudem sind Hochleistungssportler besondere Talente, haben ganz bestimmte Voraussetzungen, und können sich deshalb auch deutlich besser regenerieren als der Durchschnitt der Bevölkerung. Daher sprechen Therapieformen wie ACP bei diesen Sportlern auch besonders gut an.

 

Nachfolgend finden Sie medizinische Abkürzungen oder Fachbegriffe kurz erklärt:

ACP - Autologes Conditioniertes Plasma = autologes konditioniertes Plasma

PRP - Platelet Rich Plasma = plättchenreiches Plasma